Hase im Glück

Bayerischer Obazda mit Laugengebäck

Wie ein Fichtenpollenschleier meine Blogplanung durcheinander gebracht hat … oder
… die vornehme Blässe meines Laugengebäcks //

haseimglueck.de Rezept, Obazda mit Laugengebäck 1
Ok, ok, bevor sich jetzt jemand fragt, wo das Laugengebäck auf den Bildern sein soll… es sind die rundlichen Dinger im Hintergrund. Und jetzt unter uns: sind sie nicht toll? Sie sehen zwar nicht so aus wie die Laugensemmeln, die man beim Bäcker bekommt, aber sie schmecken mindestens doppelt so gut. Versprochen! Eigentlich sollten es ja Stangen werden, aber dafür kamen sie zu rund aus dem Backofen. Und um sie Semmeln nennen zu können, sind sie wiederum zu länglich… Deshalb „Laugengebäck“ im Titel, so ein bisschen Freestyle muss ja wohl sein, oder?

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Ursprünglich sollte der Fokus dieses Beitrags auf dem „Aufstrich“ liegen, denn das Motto von der „Let’s cook together“ Aktion von Inas Blog whatinaloves lautet im Mai „Schnittchenzeit! Her mit eurem Lieblingsaufstrich!“ (HIER kommt Ihr zur Aktion). Super!, dachte ich mir, denn Schnittchen und Aufstriche gehen immer. Ob das weltbeste Humus vom Mann oder einfach Thunfisch mit saurer Sahne – wenn in unserem Haushalt ein Aufstrich aus dem Mixer kommt, bleibt garantiert nichts übrig.

Nach etwas Überlegen habe ich mich in Vorfreude auf die Biergartensaison 2015 für etwas typisch Bayerisches entschieden. Und als mich dann auf der Auer Dult, eine Art Jahrmarkt-Veranstaltung, die drei Mal pro Jahr in München stattfindet, ein Töpfchen mit Obatzda-Aufschrift gefunden hatte (ich wollte echt nichts kaufen, wirklich!), war klar: es wird ein Obazda (oder Obatzder, oder Obatzda oder wie von einem Touristen vor etlichen Jahren im Biergarten bestellt: „Matschi“).

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Die Zutaten waren gekauft, ich hatte mich quasi on-top noch zu einer Hefeteig- UND Laugen-Aktion durchgerungen und wollte loslegen. Aber entgegen der normalen Reihenfolge „erst Kochen, dann Putzen“ musste ich diesmal mit dem Putzen beginnen. Habt Ihr schon mal von Fichtenpollenstaub gehört? Nein? Seid froh! Denn am Dienstag legte sich eine riesige Wolke aus Fichtenpollen über München.

Als auf der Arbeit plötzlich alles mit einem feinen gelben Staub bedeckt war, dachte ich noch, es wäre „Saharastaub“, was hier durchaus vorkommen kann. Hätte ich auch irgendwie romantischer gefunden. Aber nix mit Sahara, denn eine kurze Google-Recherche ergab, dass es sich um weniger exotische besagte Fichtenpollen handelte. Und zwar ÜBERALL! Selbstverständlich hatte ich an dem Tag wie immer alle Fenster in der Wohnung offen gelassen und, ich gebe es zu, ausnahmsweise mal nicht das Bett gemacht, weil ich das Zeitfenster in der Früh falsch eingeschätzt hatte.

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Als ich heim kam, stand ich fassungslos da. Alles, aber wirklich ALLES war mit gelben Staub bedeckt. Bis in die kleinste Ritze. Ich wusste nicht mal, wo ich anfangen sollte, denn unsere Wohnung nass zu wischen war eigentlich für die nächsten acht bis zehn Wochen nicht eingeplant. Und so ignorierte ich gekonnt die Polleninvasion und machte mich erst am nächsten Tag, bewaffnet mit Staubsauger und Wischlappen, ans Werk.
Wo um alles in der Welt stehen hier Fichten??? Wir wohnen doch in der Großstadt!!! Während ich kostbare eingeplante Blog-Zeit mit Putzen verschwendete, war ich richtig sauer auf die Natur, auf Bäume im Allgemeinen und Fichten im Besonderen. Und der Druck, dass der Hefeteig klappen muss, weil für eine extra Schleife schlicht und ergreifend keine Zeit blieb, machte das Ganze auch nicht besser.

Also „matschte“ ich schnell den Obazda zusammen und schickte Stoßgebete gen Himmel, dass mich der Hefeteig nicht im Stich lassen mag. Tat er nicht (ich war schon wieder gut drauf) – nur mit der Lauge hätte ich weniger vorsichtig umgehen können. Deshalb auch nicht die dunkelbraune Farbe… Nichts desto trotz, ich muss zugeben, dass ich mit dem Ergebnis mehr als zufrieden war. Der cremige Obazda und das Laugengebäck brachten ein richtiges Biergarten-Feeling in die ver-Fichtenpollen-verstaubte Wohnung (ich denke, das braucht noch Wochen, um alles weg zu bekommen) und trösteten mich über die vornehme Blässe meines Laugengebäcks hinweg.
(Rezept für den Obazda gefunden unter kuechengoetter und leicht adaptiert; Rezept für das Laugengebäck gefunden im Kleinen Kuriositätenladen– dort findet Ihr auch eine sehr detaillierte Anleitung mit Bildern)

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Zutaten Bayerischer Obazda (4 Portionen)
300 g überreifer Camembert
150 g Frischkäse
50 g Saure Sahne
30 g weiche Butter
Salz
2 TL edelsüßes Paprikapulver
1 TL gemahlener Kümmel
etwas Zitronensaft
1 rote Zwiebel
1/2 Bund Schnittlauch

Zubereitung Bayerischer Obazda
Den Camembert in Stücke schneiden und auf einem tiefen Teller mit der Gabel sehr fein zerdrücken. Frischkäse, saure Sahne und Butter dazugeben und gut untermischen.
Die Käsemischung mit 1 Prise Salz, Paprikapulver, Kümmel und 1 Spritzer Zitronensaft herzhaft würzen. Den Obazdn mit Frischhaltefolie zudecken und im Kühlschrank mindestens 1 Std. durchziehen lassen.
Die Zwiebel schälen und in feine Ringe schneiden. Schnittlauch waschen, trocken schütteln und in Röllchen schneiden. Den Obazdn mit den Zwiebelringen und Schnittlauchröllchen garnieren.

Zutaten Laugengebäck (8 bis 10 Stücke)
500 g Mehl, Type 550
1/2 Würfel Frischhefe
2 TL Salz
1 TL Zucker
250 ml kaltes Wasser
40 g weiche Butter
4 EL Haushaltsnatron
Grobes Meersalz zum Bestreuen

Zubereitung Laugengebäck
Das Mehl in eine Schüssel geben und in der Mitte eine Mulde hineindrücken. Die frische Hefe in die Mulde zerbröseln. Einen TL Zucker über die Hefe streuen und so viel von dem kalten Wasser in die Mulde gießen, bis sie aufgefüllt ist. 15 Minuten stehen lassen (bzw. bis kleine Bläschen aufsteigen).
Das restliche Wasser, Salz und die Butter in die Schüssel geben und alles mit den Knethaken des Mixers zu einem glatten, elastischen Teig verkneten. Am Schluss den Teig mit den Händen kneten, bis er sich weich anfühlt.
Die Schüssel mit einem Küchenhandtuch abdecken und an einem warmen Ort mindestens 1 Stunde stehen lassen (das Volumen des Teiges sollte sich verdoppelt haben).
Den Teig niederboxen, ihn auf einer bemehlten Arbeitsfläche noch einmal durchkneten. Ca. 80 g schwere Teigportionen abteilen, aus den Teiglingen Semmeln, Stangen oder Brezn formen und diese auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Mit einem Küchenhandtuch bedecken und ca. 30 Minuten ruhen lassen.
Den Backofen auf 200 Grad Ober-/ Unterhitze vorheizen.
Ca. 2,5 Liter Wasser mit 4 EL Natron erhitzen – die Temperatur sollte nicht mehr als 80 Grad betragen. Teiglinge in das heiße Wasser geben und ca. 20 Sekunden darin schwimmen lassen. Um drehen, weitere 10 Sekunden in dem Natron-Wasser lassen, mit einer Schöpfkelle herausnehmen und in ausreichendem Abstand auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen.
Die Teiglinge mit einem scharfen Messer mehrfach schräg einschneiden, mit grobem Meersalz bestreuen und im vorgeheizten Backofen ca. 20 Minuten goldbraun backen. Nach ca. 10 Minuten mit etwas Wasser besprühen. Nach dem Backen das Laugengebäck auf einem Kuchenrost vollständig abkühlen lassen.

20 thoughts on “Bayerischer Obazda mit Laugengebäck

  1. Liebe Sandra,
    oh wie liebe ich Obazda! Irgendwie rutscht er bei uns hier oben im Norden immer erst zur Okoberfestzeit ins Blickfeld, was natürlich Quatsch ist. Werde ich jetzt mal im Mai probieren.
    Einen schönen Sonntag wünscht Dir Julia

    • Hallo Julia,
      ich gebe es zu: selbst hier im Süden mache ich ihn viel zu selten, obwohl es so einfach ist…
      Witzig, dass ich mir fast das Gleiche nur umgekehrt eben mit deiner grandiosen Krabbenstulle gedacht habe – die wird hier demnächst auf den Tisch gebracht!
      Liebste Grüße sendet dir,
      Sandra

    • Hallo Ina,
      war mir wieder eine Freude! Und wenn ich die Sammlung bislang betrachte: an Aufstrich-Ideen wird es in den kommenden Monaten nicht fehlen, großartig!!!
      Tausend Grüße,
      Sandra

  2. Haha, oh je. Die ganze Wohnung voller Pollen, da hätte ich aber auch erst Mal laut geschnauft… Erstaunlich, dass du danach noch so was Tolles in der Küche fabrizieren konntest. Obazda erinnert mich so an meine Zeit in München und schöne Nachmittage im Biergarten. Hach. Hier im Rheinland bekommt man den natürlich nicht. Gut, dass ich jetzt dein Rezept in der Hinterhand habe. Und das Laugengebäck, ich finde es wunderschön. Du etablierst einfach eine neue Form, ha! 😉
    Liebe Grüße,
    Daniela

    • Servus 🙂 Daniela,
      während meiner Düsseldorf-Zeit habe ich mal für die Mädels einen Bayerischen Abend mit Obazda und allem drum und dran ausgerichtet und war ganz erstaunt, dass einige von ihnen das gar nicht kannten.
      Ja, ich freu mich auch schon auf die Biergartenzeit – im Moment läßt uns hier die Temperatur noch im Stich, aber ich bin guter Dinge.
      Danke auch für das Laugenkompliment 🙂
      Liebste Grüße sendet Dir,
      Sandra

  3. Deine Bilder sind sooo toll. Ich verschlinge gerade zu beim Lesen das Töpfchen Obadza mit samt den Laugenbrötchen. Das wird auf jeden Fall nachgemacht.
    Wünsche Dir einen tollen Sonntag!
    Mareike ♥

    • Hallöchen Mareike,
      danke dir <3
      So ein Obazda ist echt sowas von fix gemacht - ich hab mich ehrlich gesagt selbst gewundert, warum ich den nicht öfter mache. Ich würde sagen, der Startschuß ist gefallen 🙂
      Liebste Grüße aus München sendet Dir,
      Sandra

  4. Liebe Sandra,
    Obazda mag ich toootal!!! Und natürlich am liebsten mit Laugengebäck. Das sieht so lecker aus.
    Ich wünsche dir einen schönen und pollenfreien Sonntag 😉
    Viele liebe Grüße
    Sia

    • Hallo Sia,
      Obatzda gehört für mich zum Sommer wie Flip Flops – ich finde ja, im Winter schmeckt er nur halb so gut 🙂
      Pollen sind bisher nicht mehr hier in die Wohnung gekommen (Gott-sei-Dank) und ich denke, dass sich der Rest von dieser Woche mittlerweile festgetreten hat 🙂 . Dir auch einen schönen Restsonntag noch!!!
      Liebste Grüße,
      Sandra

  5. Ja, manchmal ist man echt wütend auf die Natur (ich bin gerade unheimlich wütend auf das Wetter). Ich wäre wahrscheinlich bei dem Anblick komplett durchgedreht und hätte resigniert. Mein höchsten Respekt, dass du trotz des Pollenzwischenfalls alles durchgezogen hast (+ Hefeteig). Obazda kenne ich nur aus dem Supermarkt und mir war nie so wirklich klar, was da eigentlich so drin ist. Dank dir weiß ich es nun (endlich) 😀
    Ich wünsch dir noch einen ganz tollen Sonntag (vielleicht mit ner Runde Beergardening ;-))
    Allerliebste Grüße aus Hamburg <3
    Kimi

    • Hi Kimi,
      ja, wettertechnisch könnte es hier auch wärmer sein 🙁 Dafür, dass Pfingsten so kurz vor der Türe steht, ist es echt noch kalt, aber mein Mann meinte, dass für kommende Woche (also dann, wenn wir wieder arbeiten müssen…) 30 Grad vorher gesagt sind…
      Wenn Ihr Käse mögt, kann ich euch tatsächlich den Obazda ans Herz legen – ist mal ganz was anderes.
      Tausend Grüße sendet Dir Deine
      Sandra

  6. OBAZDA! Oh wie kööööstlich! Da könnte ich mich wirklich reinlegen, aber selbst gemacht hab ich euren leckeren Aufstrich bis jetzt noch nie. Wie gut, dass ich nun ein gar nicht mal so schwieriges Rezept in der Hinterhand habe. Nur das mit dem überreifen Camembert macht mir zu schaffen. Woher weiß ich denn, wann er gut und obazdatauglich ist? 😀
    Zum Sahara-Sand aka der Polleninvasion: Oh neeein! Ich drück ganz fest die Daumen, dass die doofen Dinger sich schnellsten von selbst verdünnifizieren 😉
    Ganz liebe Sonntagsgrüße zu dir meine Liebe, Mia

    • Hallo Mia,
      alsooooo…. ich habe einfach auf ein paar Camemberts im Supermarkt rumgedrückt und den weichesten genommen 🙂 . Eigentlich voll ätzend, aber je weicher der Camembert umso cremiger der Obazda – da kann man schon mal ausnahmsweise einen „auf Assi“ machen 🙂
      Bezüglich der Pollen habe ich mich schon fast an den Gelbschleier hier gewöhnt… wischt man sie weg und geht durchs Zimmer zurück, wirbelt es alles wieder auf und es sieht aus wie vorher… sowas hab ich echt noch nie erlebt. Da hilft fürs seelische Gleichgewicht nur kochen und bloggen 🙂
      Einen wundervollen Restsonntag wünscht Dir
      Sandra

    • Hallo Dörthe,
      das freut mich unheimlich! Es gibt echt viele Rezepte, aber ich finde, dass dieser hier am klassischten schmeckt 🙂
      Ich hoffe, du magst ihn auch – und wenn dir die Laugen-Action zu viel sein sollte – der Obazda geht auch super mit Aufback-Brezn 🙂
      Liebste Grüße sendet Dir,
      Sandra

  7. Hallo Sandra,

    schon lange suche ich ein gutes Obazda-Rezept.
    Deines klingt schon sehr gut … das werde ich ausprobieren.

    Danke

    Herzliche Grüße
    Jutta

    • Hallo Jutta,
      das freut mich!!! Das Gute an dem Obazda ist, dass man ihn – falls einem was fehlen sollte – nach Lust und Laune nachwürzen kann (sollte aber bei dem Rezept hier nicht vorkommen, das ist der Klassiker schlechthin) – ich liebe die Gerichte, bei denen man nichts falsch machen kann 🙂
      Dann wünsche ich dir jetzt schon „Gute Bortzeit“!
      Liebste Grüße,
      Sandra

  8. Liebe Sandra,
    ach, solche Tage gibt es bei mir auch immer mal wieder, wenn man scheinbar ohnehin viel zu tun hat und dann noch irgendetwas total Unerwartetes dazwischenkommt. Eigentlich ist es ganz erfrischend zu sehen, dass es auch dann geht – irgendwie. 😉 Jedenfalls sehen deine Laugenbrötchen zum Obazda wirklich lecker aus! Meine selbstgemachten Laugenstangen bleiben auch immer relativ hell – keine Ahnung, warum – aber der Geschmack ist das Backen allemal wert. 😉
    Liebe Grüße,
    Sarah

    • Hach Sarah,
      ich bin froh, dass nicht nur ich etwas zimperlich mit der Lauge bin!
      Irgendwie lagen die Brötchen/ Stangen so blass vor mir und ich hab kurz mit mir gerungen, ob ich sie überhaupt mit ablichten soll… Aber dann habe ich eines probiert und mir ging es so wie dir: selbstgebackenes Laugengebäck schmeckt so toll! Blass hin oder her, die gingen weg „wie die warmen Semmeln“ 🙂
      Ganz ganz liebe Grüße aus München sendet Dir,
      Sandra

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